Beckenbodentraining
Anleitung, Übungen und Alltagstipps

Geschrieben von Mark Kässer am 26.01.2026
Physiotherapeut & Beckenboden-Profi
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Beckenbodentraining ist eine der effektivsten und gleichzeitig am meisten unterschätzten Methoden, um den Körper von innen heraus zu stabilisieren. Dennoch wissen viele Menschen nicht, wo sich der Beckenboden befindet oder wie sie ihn gezielt trainieren können. Genau deshalb ist dieser Ratgeber dein sanfter Einstieg in das Thema.
Denn egal ob im Alltag, beim Sport oder im Büro – der Beckenboden arbeitet immer mit. Deshalb lohnt es sich, diese Muskelgruppe bewusst zu stärken. Außerdem hilft regelmäßiges Beckenbodentraining dabei, die Körperhaltung zu verbessern, das innere Gleichgewicht zu fördern und mehr Sicherheit im Alltag zu gewinnen.
Welche Funktionen hat der Beckenboden?
Der Beckenboden ist ein komplexes Muskelnetzwerk, das mehrere zentrale Aufgaben übernimmt:
- Stabilität: Er stützt die inneren Organe und bildet die Basis für eine stabile Körpermitte.
- Haltung: In Zusammenarbeit mit Bauch- und Rückenmuskulatur sorgt er für eine aufrechte, gesunde Haltung.
- Kontrolle: Er unterstützt die Kontrolle über Blase und Darm im Alltag.
- Bewegung: Bei Husten, Niesen, Lachen, Heben oder Springen wird der Beckenboden automatisch aktiviert.

Deshalb ist Beckenbodentraining eine sinnvolle Ergänzung für jedes Trainings- und Gesundheitskonzept.
Von Ärzten empfohlen:
Beckenbodentraining mit Apelvo

Bildquelle RBK / Christoph Schmidt
“Das App-basierte Beckenboden-Training wird mit Apelvo entscheidend verbessert.
Die Anwendung ist im Alltag einfach und praktikabel.”
– Dr. med. Alexander Fuchs,
Leitung Urogynäkologie Robert Bosch Krankenhaus, Stuttgart

Der Beckenboden bei Frauen
-
Während und nach der Schwangerschaft:
Der Beckenboden trägt zusätzliches Gewicht und wird gedehnt. Beckenbodentraining unterstützt die Rückbildung und die Stabilität im Alltag. -
In den Wechseljahren:
Hormonelle Veränderungen können die Spannkraft des Beckenbodens beeinflussen. Training hilft, die Muskelaktivität zu erhalten. -
Bei Senkungsgefühlen:
Ein kräftiger Beckenboden unterstützt die Lage der inneren Organe und kann das Körpergefühl verbessern. -
Kontrolle & Sicherheit:
Durch gezieltes Training wird die Wahrnehmung gestärkt und der Beckenboden im Alltag bewusster eingesetzt.

Der Beckenboden bei Männern
Auch bei Männern spielt der Beckenboden eine wichtige Rolle.
-
Bei erektiler Dysfunktion:
Ein trainierter Beckenboden unterstützt die Durchblutung und Muskelkontrolle im Beckenbereich. -
Für Rumpfstabilität & Haltung:
Der Beckenboden ist Teil der tiefen Rumpfmuskulatur und trägt zu einer stabilen Körpermitte bei. -
Im Alltag & Sport:
Er hilft, Druck im Bauchraum auszugleichen – zum Beispiel beim Heben, Tragen oder Krafttraining. -
Kontrolle & Körpergefühl:
Beckenbodentraining verbessert die Wahrnehmung und Koordination dieser oft vernachlässigten Muskulatur.
Was ist Beckenbodentraining und warum ist es so wichtig?
Der Beckenboden ist eine Muskelgruppe, die wie eine elastische Hängematte den unteren Abschluss deines Rumpfes bildet. Dabei spannt sie sich zwischen Schambein, Steißbein und den beiden Sitzknochen auf. Dadurch trägt sie die inneren Organe und stabilisiert gleichzeitig die Körpermitte.
Beckenbodentraining bedeutet, diese Muskeln bewusst anzuspannen und wieder zu entspannen. So lernst du, sie gezielt einzusetzen. Gleichzeitig wird die Verbindung zwischen Körper und Wahrnehmung gestärkt.
Für wen ist Beckenbodentraining sinnvoll?
Beckenbodentraining ist für alle Menschen geeignet – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Fitnesslevel.
Denn ein trainierter Beckenboden verbessert jede Bewegung und die persönliche Lebensqualität.
Beckenbodentraining lernen: So findest du deinen Beckenboden
Bevor du mit dem Beckenbodentraining startest, solltest du wissen, wie sich die Muskulatur anfühlt. Hier sind verschiedene, alltagstaugliche Möglichkeiten, mit denen du selbst herausfinden kannst, welche Muskelgruppe der Beckenboden ist und wie sich eine korrekte Anspannung anfühlt:
1. Die Aufzug-Vorstellung
Stell dir vor, in deinem Körper fährt ein kleiner Aufzug nach oben.
- Start: Sitzfläche / Damm
- Ziel: Bauchnabel
Ziehe innerlich diesen „Aufzug“ sanft nach oben, ohne die Beine, das Gesäß oder den Bauch zu bewegen.
Richtig fühlt sich an wie:
Ein inneres Anheben, leichtes Zusammenziehen, ohne Pressen.
2. Die Sitzknochen-Methode
Setz dich aufrecht auf einen Stuhl.
- Spüre die beiden Sitzknochen
- Stell dir vor, du ziehst sie sanft zueinander
Dabei entsteht automatisch eine Aktivierung des Beckenbodens.
3. Der „Husten-Test“
Wenn du leicht hustest, spannt sich dein Beckenboden automatisch an.
Merke dir dieses Gefühl! Das ist dein Beckenboden.
Versuche nun genau diese Muskelgruppe bewusst anzuspannen, ohne zu husten.
Beckenbodentraining für Anfänger: eine einfache Übung
Zu den Grundübungen gehören:
- Anspannen und Entspannen
- Halten der Spannung
- Bewegungsübungen in verschiedenen Körperpositionen
Während es den einen schwerer fällt, den Beckenboden anzuspannen, haben andere wiederum Probleme damit, bewusst zu entspannen, gänzlich loszulassen. Wichtige Aspekte des Beckenbodentrainings sind, in allen denkbaren Körperpositionen leichtere, mittlere, starke und maximale Kraftanspannung zu erzielen, aber dabei darauf zu achten, nicht mit anderen Muskelgruppen nachzuhelfen und wie bereits beschrieben, auch bewusst zu entspannen.
Die Basisübung für jeden
So gehts:
- Schritt 1: Finde eine bequeme Position (sitzend oder liegend).
- Schritt 2: Spanne den Beckenboden für 2 Sekunden an, entspanne 2 Sekunden. 10 Wiederholungen.
-
Schritt 3: Kombination mit Atmung:
Einatmen – entspannen.
Ausatmen – Beckenboden aktivieren.
wiederhole 10-15 mal.
️Warum es wirkt: Studien zeigen, dass wiederholte Anspannung und Entspannung dieser Muskeln die Kraft und Kontrolle signifikant verbessern kann – besonders bei Inkontinenz oder nach Schwangerschaft und Geburt.
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Häufige Fehler beim Beckenbodentraining und wie du sie vermeidest
| Typische Fehler | Woran man ihn erkennt | So vermeidest du ihn |
| Luft anhalten | Du spannst dich an und atmest nicht weiter | Atme ruhig weiter, z. B. im 4-Sekunden-Rhythmus |
| Gesäß anspannen | Po wird hart oder zieht sich zusammen | Sitzknochen bewusst locker lassen |
| Bauch stark einziehen | Der Unterbauch wird flach und fest | Bauchnabel locker lassen, nur innerlich heben |
| Pressen statt heben | Gefühl von Druck nach unten | Stell dir ein Anheben nach innen vor |
Das Beckenbodentraining in den Alltag integrieren
Damit Beckenbodentraining langfristig wirkt, braucht es vor allem eines: Regelmäßigkeit. Allerdings ist genau das für viele Menschen die größte Herausforderung. Denn im Gegensatz zu sichtbaren Muskelgruppen bleibt der Beckenboden unsichtbar – und wird deshalb im Alltag schnell vergessen.
Gewohnheiten bewusst aufbauen
Am besten lässt sich Beckenbodentraining in bestehende Routinen einbauen. Zum Beispiel beim Zähneputzen, im Büro oder vor dem Einschlafen. Wenn du das Training immer mit derselben Alltagshandlung verknüpfst, entsteht nach und nach eine feste Gewohnheit.
Hilfreich ist außerdem:
- feste Zeiten zu wählen (z. B. morgens oder abends),
- kurze Einheiten zu planen (1–3 Minuten),
- kleine Erinnerungen im Alltag zu setzen.
Warum „blindes“ Training jedoch oft nicht ausreicht
Viele Menschen starten motiviert – doch nach einigen Wochen lässt die Aufmerksamkeit nach. Denn beim Beckenbodentraining sieht man keine Bewegung und bekommt kein direktes Feedback. Deshalb entsteht schnell das Gefühl, „ins Leere“ zu trainieren. Das kann auf Dauer langweilig werden oder Zweifel hervorrufen, ob man überhaupt richtig übt.
Außerdem zeigt die Erfahrung: Auch wenn man sich vornimmt, regelmäßig zu trainieren, erinnert man sich im Alltag häufig nicht daran. Termine, Stress und Ablenkungen verdrängen die gute Absicht.
Wie Biofeedback und Apps unterstützen können
Hier können Trainingsgeräte mit Biofeedback und App-Anbindung helfen. Sie zeigen in Echtzeit, ob der Beckenboden korrekt angespannt wird, und machen Fortschritte sichtbar. Gleichzeitig erinnern sie regelmäßig an das Training und führen Schritt für Schritt durch strukturierte Einheiten.
So wird aus einer unsichtbaren Muskelarbeit ein nachvollziehbares Training mit Motivation, Klarheit und Routine.
Was ist Biofeedback und warum macht es das Training so effektiv?
Biofeedback ist eine Methode, bei der biologische Prozesse des Körpers, die normalerweise unbewusst ablaufen (z. B. Muskelspannung, Herzfrequenz oder Hautleitfähigkeit), durch technische Geräte sichtbar oder hörbar gemacht werden. Diese Rückmeldung hilft, die Körperfunktionen gezielt zu beeinflussen und zu verbessern.
Beim Biofeedback-Training wird die Muskelaktivität über Sensoren gemessen und auf dem Smartphone oder Bildschirm sichtbar gemacht.
Du siehst sofort, ob du die richtigen Muskeln aktivierst und wie stark dein Beckenboden arbeitet.
Das ist besonders hilfreich, weil viele Frauen anfangs nicht genau spüren, ob sie richtig trainieren.
Durch die visuelle Rückmeldung lernst du:
- die Beckenbodenmuskulatur gezielt zu aktivieren,
- Überlastungen zu vermeiden und
- Anspannung und Entspannung bewusst zu steuern.
Ein schöner Nebeneffekt: Sichtbare Fortschritte motivieren – du bleibst leichter dran.


-> Unser YouTube-Video erklärt, wie du die „richtige Muskulatur“ erkennst.
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Wann reicht Training ohne Gerät und wann ist ein Trainer sinnvoll?
| Situation | Training ohne Gerät | Training mit Biofeedback-Trainer |
| Leichte Schwäche, erste Wahrnehmungsübungen | ✅ geeignet | ✅ effektiver |
| Schwierigkeiten, die richtige Muskulatur zu spüren | ⛔eingeschränkt effektiv | ✅ sehr empfehlenswert |
| zur Geburtsvorbereitung | ⛔teilweise wirksam | ✅ deutlich effektiver |
| Nach Schwangerschaft oder in den Wechseljahren | ⛔teilweise wirksam | ✅ deutlich effektiver |
| Lust auf Motivation und sichtbaren Fortschritt | ⛔weniger anregend | ✅ motiviert durch visuelles Feedback |
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