Effektives Beckenbodentraining: Überblick der Methoden

Geschrieben von Mark Kässer am 01.12.2025
Physiotherapeut & Beckenboden-Profi
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Einleitung
Der Beckenboden ist ein zentraler Bestandteil unserer muskulär-faszialen Körperstruktur, der Blase, Darm, Gebärmutter und Genitalien stützt, die Harn- und Stuhlkontinenz mitreguliert sowie in die funktionelle Rumpf- und Körperstabilität eingebunden ist. Infolge von Schwangerschaften, Geburten, Menopause, Überlastung (z. B. durch häufiges und schweres Heben, Sport), langer Immobilität oder neurologischen Erkrankungen kann die Funktion des Beckenbodens beeinträchtigt sein. Ein gezieltes Training der Beckenbodenmuskulatur kann in vielen Fällen wirksam zur Prävention oder Behandlung beitragen.
In diesem Blogartikel stelle ich unterschiedliche Methoden des Beckenbodentrainings wissenschaftlich fundiert dar und gehe im Besonderen auf das Apelvo-System ein – erkläre die Funktionsweise, Vorteilen gegenüber traditionellen Ansätzen und praktischen Anwendungstipps.
Grundlagen: Was sagt die Wissenschaft zum Beckenbodentraining?
Evidenzlage
- Eine systematische Übersicht zeigte, dass bei Frauen durch regelmäßiges Beckenbodentraining eine Verbesserung gegenüber keiner Intervention erzielten. (Acta Médica Portuguesa+2MDPI)
- Mehrere Metaanalysen belegen etwa: bei weiblichen Sportlerinnen führte Beckenbodentraining zu einer deutlichen Erhöhung der maximal möglichen Spontankontraktion der Beckenbodenmuskulatur sowie einer Reduktion von Harnverlust. (PubMed)
- Bei Frauen mit Beckenorgan-Senkung ergab Beckenbodentraining gegenüber Kontrollen eine bessere Verbesserung der Symptome und eine günstigere Prolapse-Stadienveränderung. (PubMed)
- Auch im Bereich der sexuellen Funktionen zeigte Beckenbodentraining positive Effekte. (PubMed)
Implikationen
- Beckenbodentraining ist eine evidenzbasierte Methode zur Förderung der Koordination des Beckenbodenmuskulatur und kann insbesondere bei Harninkontinenz, Senkung und Sportlerinnen mit Harnverlust eingesetzt werden.
- Die Trainingsqualität (Dosis, Anleitung, Biofeedback) scheint entscheidend zu sein. Untersuchungen zeigen, dass Beckenbodentraining mit Biofeedback oder Elektrostimulation bessere Resultate liefern kann als reines Beckenbodentraining allein. (PubMed)
- Wichtig ist die Integration in den Alltag – regelmäßige Anwendung über Wochen ist nötig, um Effekte zu erzielen.
Trainingsprinzipien
- Aktivierung → Halten → Entspannen der Beckenbodenmuskulatur.
- Kombination von Kraft, Ausdauer und Koordination (z. B. schnelle Kontraktionen + langsame Haltephasen) (Acta Médica Portuguesa)
- Gute Anleitung (physiotherapeutisch, digital, mit Feedback) verbessert die Effizienz und Motivation.
- Integration in Alltagshandlungen und Alltagspraxis – z. B. Bewegung, Sitzen, Heben – ist wichtig.
Von Ärzten empfohlen:
Beckenbodentraining mit Apelvo

Bildquelle RBK / Christoph Schmidt
“Das App-basierte Beckenboden-Training wird mit Apelvo entscheidend verbessert.
Die Anwendung ist im Alltag einfach und praktikabel.”
– Dr. med. Alexander Fuchs,
Leitung Urogynäkologie Robert Bosch Krankenhaus, Stuttgart
Unterschiedliche Methoden des Beckenbodentrainings
Im Folgenden ein Überblick über gängige Trainingsansätze, inkl. Vor- und Nachteile. e Methoden des Beckenbodentrainings
1. Klassische Beckenbodenübungen („Kegel-Übungen“)
Beschreibung: Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur (als würde man Urin/Stuhl zurückhalten) über einige Sekunden, dann Entspannung. Wiederholungen in verschiedenen Haltungen (liegend, sitzend, stehend).
Vorteile: Kein oder sehr geringes Equipment nötig; kann überall durchgeführt werden.
Nachteile: Technikfehler sind häufig (falsche Muskeln, Anspannung statt Entspannung, fehlende Koordination). Ohne Feedback bleibt die Wirkung mitunter begrenzt. Studien zeigen, dass reine Kegel-Übungen weniger wirksam sind als solche mit unterstützendem Biofeedback. (MDPI)
Empfehlung: Mit Anleitung (z. B. Physiotherapeut/in) beginnen, auf korrekte Ausführung achten (nicht Bauch, Gesäß oder Oberschenkel mitanspannen).
2. Beckenboden-Training mit Biofeedback oder Elektrostimulation
Beschreibung: Einsatz von Geräten oder Sensoren, die Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur messen (z. B. Elektromyographie), oder Elektrostimulation zur Aktivierung.
Vorteile: Sichtbares/fühlbares Feedback erhöht Motivation und korrekte Ausführung; Studien zeigen bessere Effekte. (MDPI)
Nachteile: teilweise invasive Anwendung (z. B. vaginal).
Empfehlung: Besonders geeignet bei speziellen Indikationen (z. B. erhebliche Schwäche, fortgeschrittene Senkung, postoperativ) oder wenn Übungen alleine wenig Wirkung zeigten.
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3. Alltagsintegration & funktionelles Training
Beschreibung: Beckenbodenaktivierung in funktionellen Situationen – z. B. beim Heben, während des Sitzens/Stehens, in Verbindung mit Atmung und Rumpf-/Hüftmuskulaturtraining.
Vorteile: Fördert Übertragbarkeit in den Alltag, verbessert Gesamtkoordination.
Nachteile: Oft weniger strukturiert, deshalb eventuell weniger messbare Effekte ohne gezielte Anleitung.
Empfehlung: Ergänzend zu strukturierten Übungen anwenden – z. B. bei Sport, Belastungen im Alltag.
4. Digitale und spielerische Methoden
Beschreibung: Trainings-Apps oder Geräte mit Gamification (Spiel-Elemente) zur Aktivierung und Motivation des Beckenbodentrainings.
Vorteile: Motivationssteigernd, flexibel, interessant im Alltag.
Nachteile: Qualität der Apps/Spiele sind nach Hersteller variabel.
Empfehlung: Gute Ergänzung für Motivation zu regelmäßigem Beckenbodentraining mit direktem Feedback.
Trainingsprinzipien
- Apelvo ist ein System mit einem Sensor, der am Kreuzbein/Steißbein angeklebt wird („extrakorporale“ Anwendung).
- Der Sensor misst die Aktivität der Beckenbodenmuskulatur (über die Bewegung oder Spannung im Bereich Kreuz-/Steißbein) und zeigt Biofeedback via Smartphone-App.
- In der App stehen interaktive Spiele zur Verfügung (z. B. „Cave-Rabbit“), bei denen die Beckenbodenmuskulatur als Steuer-Joystick fungiert.
- Soviel zur Theorie – praktische Anwendung: 10-15 Minuten Training, 3-4 Mal pro Woche.
Vorteile gegenüber herkömmlichen Methoden:
- Nicht-invasiv: Im Gegensatz zu vielen Biofeedback-Sensoren oder mit Vaginal-/Rektal-Elektroden muss bei Apelvo nichts eingeführt werden – das senkt die Hemmschwelle und erleichtert die Nutzung.
- Flexibilität im Alltag: Durch das System kann das Training unterwegs, im Büro oder zu Hause – diskret und unkompliziert – erfolgen.
- Gamification & Motivation: Die spielerische Komponente (App-Spiele) kann die Motivation und Regelmäßigkeit fördern – was gemäß Literatur ein zentraler Erfolgsfaktor ist.
- Begleitende quantitative Rückmeldung: Der Sensor liefert Feedback zur Muskelaktivität (Biofeedback), was in Studien die Effektivität anhebt.
- Unisex-System: das System ist geeignet für Frauen, Männer und sogar Kinder (je nach Indikation) – was eine breitere Nutzbarkeit bietet.
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Vergleich der Methoden

Was ist Biofeedback und warum macht es das Training so effektiv?
Biofeedback ist eine Methode, bei der biologische Prozesse des Körpers, die normalerweise unbewusst ablaufen (z. B. Muskelspannung, Herzfrequenz oder Hautleitfähigkeit), durch technische Geräte sichtbar oder hörbar gemacht werden. Diese Rückmeldung hilft, die Körperfunktionen gezielt zu beeinflussen und zu verbessern.
Beim Biofeedback-Training wird die Muskelaktivität über Sensoren gemessen und auf dem Smartphone oder Bildschirm sichtbar gemacht.
Du siehst sofort, ob du die richtigen Muskeln aktivierst und wie stark dein Beckenboden arbeitet.
Das ist besonders hilfreich, weil viele Frauen anfangs nicht genau spüren, ob sie richtig trainieren.
Durch die visuelle Rückmeldung lernst du:
- die Beckenbodenmuskulatur gezielt zu aktivieren,
- Überlastungen zu vermeiden und
- Anspannung und Entspannung bewusst zu steuern.
Ein schöner Nebeneffekt: Sichtbare Fortschritte motivieren – du bleibst leichter dran.


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